SPIEGEL, D, JUL 2001
EIMER FÜR ALLE

Der Pariser Designer Philippe Starck verriet einst in einem Rundfunk Interview, immer wenn er in eine unbekannte Stadt komme, suche er in der Nähe des Hotels einen Mülleiner, leere ihn in seinem Zimmer aus und studiere den Inhalt, um etwas über die Einheimischen zu erfahren. Für Starcks Berliner Kollegin Alexandra Martini, 31, reicht dafür schon die Form des Behälters: Martini fotografierte in 30 Ländern aller Kontinente Abfalleimer, um „den kleinen Unterschied“ festzuhalten. Dabei entdeckte sie, dass das Klischee, arme Länder hätten arme Eimer, nicht zutrifft. „Abfalleimer“, so Martini, „sind immer überraschend jede Tonne fügt sich als Inszenierung ins Umfeld.“
Beim Blättern in „Litter only“ (Könemann Verlag) entdeckt der Leser aber doch Differenzen der Mentalitäten. Streng mahnt die schwarze Plastiktonne an einer Münchner Autobahn: „Nur Reiseabfälle! Zuwiderhandlungen werden als unerlaubte Sondernutzung zur Anzeige gebracht.“ Freundlich wie eine Hundehütte dagegen der geflochtene Bastkorb in Barcelona. Leuchtendes Gelb ist weltweit bevorzugte Farbe. Fest steht: Wer dieses Buch je in der Hand hatte, wirft nicht mehr achtlos Müll in eine Tonne.

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Spiegel D, Jul 2001
Spiegel D, Jul 2001